Rund 400 Mitarbeiter

Rettung gescheitert: Aus von Kelheim Fibres ist besiegelt

Im vergangenen Jahr hatte Kelheim Fibres zwar Insolvenz angemeldet, doch es gab Hoffnung. Jetzt wird der Spezialfaserhersteller seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Ein tiefer Einschnitt für Mitarbeiter und Stadt.

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Der Geschäftsbetrieb bei Kelheim Fibres wird zum 31. März eingestellt.

Der Geschäftsbetrieb bei Kelheim Fibres wird zum 31. März eingestellt.

Von Redaktion idowa

Das Aus bei einem der wichtigsten Arbeitgeber im Kreis Kelheim ist besiegelt. Wie die Geschäftsführung von Kelheim Fibres am Dienstag in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat sich der jüngste Hoffnungsschimmer zerschlagen – der Geschäftsbetrieb des Spezialfaserherstellers werde zum 31. März eingestellt. Eine Fortführung über diesen Zeitpunkt hinaus sei nicht möglich.

„Die Eigenverwaltung hat alle realistischen Optionen zur Fortführung geprüft. Da die erforderlichen Zusagen – einschließlich der Zustimmung eines wesentlichen Kunden – nicht vorlagen, ist eine Fortführung leider wirtschaftlich nicht möglich“, teilt die Geschäftsführung mit. „Für die Mitarbeitenden ist dies eine schwierige Situation; der Fokus liegt nun auf einer geordneten Abwicklung und bestmöglicher Unterstützung der Mitarbeitenden.“

Kelheim Fibres hatte bereits im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet – es folgten Monate zwischen der Hoffnung auf eine Rettung und der Angst vor dem endgültigen Aus. So war etwa Ende November ein potenzieller Investor abgesprungen – ehe wenige Wochen später ein neuer möglicher Investor kurzfristig erneut Grund zur Hoffnung gab.

Der Pressemitteilung zufolge habe jener Investor allerdings nun auch Abstand genommen. Unabhängig davon habe das Traditionsunternehmen mit rund 400 Beschäftigten keine ausreichenden Abnahmemengen erzielen können, die für eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung des Geschäftsbetriebs erforderlich gewesen wären.

Nach Abschluss der laufenden Ausproduktion werden Kelheim Fibres zufolge die erforderlichen Maßnahmen zur Einleitung eines geordneten Stilllegungsprozesses umgesetzt. Die Mitarbeiter seien am Montag über die Entscheidung und das weitere Vorgehen informiert worden.

Betriebsrat und Eigenverwaltung haben laut Pressemitteilung einen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan vereinbart. Zudem werde eine Transfergesellschaft eingerichtet, um die Mitarbeiter beim Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse zu unterstützen. Kelheim Fibres stellt unter anderem Fasern für Tampons, Teebeutel oder feuchtes Toilettenpapier her.

Großes Bedauern

Die Nachricht vom Aus treffe Kelheim hart, teilt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung mit. Sie halte den Standort im Blick und wolle Gelände und Einrichtungen nach dem Produktionsende und im Rahmen des Insolvenzverfahrens verwerten - für eine tragfähige Perspektive für Kelheim. Bürgermeister Christian Schweiger (CSU) ergänzt: „Mir ist wichtig, dass wir in dieser Lage nicht über Strukturen reden, sondern zuerst über Menschen. Für die Beschäftigten ist das ein tiefer Einschnitt. Sie sind die Leidtragenden. Ich erwarte, dass jetzt alles dafür getan wird, faire Übergänge zu ermöglichen. Als Stadt werden wir unseren Teil leisten und alle Hebel in Bewegung setzen, damit Betroffene Unterstützung bekommen und Kelheim eine Zukunftsperspektive für diesen Standort behält.“ 

Letztlich sei der Standort nicht wettbewerbsfähig gewesen angesichts zu hoher Energiekosten und einer schwierigen Marktlage, bedauert Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Das Unternehmen habe den Wirtschaftsraum Niederbayern über viele Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt.

 

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